Warum Mami?
Mittwoch, April 8th, 2009Mami, warum? Warum, Mami? Ich ging zu einer Party und dachte an Deine Worte. Du hattest mich gebeten, nicht zu trinken. So trank ich keinen Alkohol. Ich fühlte mich ganz stolz, Mami. Genau so, wie Du es vorhergesagt hattest. Ich habe vor dem Fahren nichts getrunken, Mami. Auch wenn die anderen sich mokierten. Ich weiss, dass es richtig war, Mami. Die Party ging langsam zu Ende und alle fuhren weg. Als ich in mein Auto stieg, Mami, war ich ganz sicher, dass ich heil nach Hause kommen würde. Aufgrund Deiner guten und fürsorglichen Erziehung… – so verantwortungsvoll und feinfühlig, wie du immer warst, war ich einfach ganz sicher, Mami. Ich fuhr langsam an und bog in die Strasse ein. Aber der andere Fahrer sah mich zu spät und sein Wagen traf mich mit voller Wucht. Als ich auf dem Bürgersteig lag, Mami, hörte ich den Polizisten sagen, der andere sei betrunken. Und nun bin ich diejenige, die dafür büssen muss. Ich liege hier im Sterben!! Ach bitte Mami… komm doch schnell. Wie konnte mir das passieren? Mein Leben zerplatzt wie ein Luftballon. Ringsherum ist alles voll Blut, Mami. Das ist MEIN Blut, Mami. Der Arzt sagt, dass es keine Hilfe mehr für mich gibt. Bitte glaube mir, Mami… ich habe wirklich nichts getrunken. Es war der andere, Mami!! Der hat einfach nicht nachgedacht. Er war auf der gleichen Party wie ich, Mami. Wir haben viel geredet, getanzt und gelacht. Das einzig Dumme ist nur: Er hat getrunken und ich werde sterben. Warum trinken die Menschen und setzen sich dann ans Steuer, Mami? Es kann in einer einzigen Sekunde ganze Leben ruinieren. Ich habe jetzt starke Schmerzen, Mami. Sie sind wie Messerstiche,… so scharf. Der Mann, der in mein Auto fuhr, läuft herum und ich liege hier im Sterben. Er guckt nur dumm!! Sag’ meinem Bruder, dass er nicht weinen soll, Mami. Und Papi soll tapfer sein. Und wenn ich dann im Himmel bin, Mami, schreibt “Papis Mädchen” auf meinen Grabstein. Jemand hätte es ihm sagen sollen, Mami. Nicht trinken und dann fahren!! Wenn man ihm das gesagt hätte, Mami, wäre ich jetzt zu Hause… ich würde leben, Mami. Mein Atem wird kürzer, Mami, ich habe grosse Angst. Es wird kälter, Mami… ich friere so sehr! Bitte weine nicht um mich, Mami. Du warst immer da, wenn ich Dich brauchte. Ich habe nur noch eine letzte Frage, Mami, bevor ich von hier fortgehe:
Warum bin ich diejenige, die sterben muss? Warum, Mami? Mami, WARUM…??
Anmerkung:
Der Text war ursprünglich in Gedichtsform an der Springfield High School (Ohio, USA) im Umlauf, nachdem eine Woche zuvor zwei Studenten bei einem ähnlichen Autounfall getötet wurden. Nicht nur dort, sondern überall auf der Welt war und ist dies viel zu oft die grausame Realität…
